Viele Frauen mit Lipödem berichten nicht nur von Schmerzen und Spannungsgefühlen, sondern auch von einem tiefgreifenden Gefühl der Müdigkeit. Doch warum ist das so? Woher kommt diese Erschöpfung, die sich oft nicht einfach „wegschlafen“ lässt?
In diesem Beitrag erfahren Sie, was hinter der Müdigkeit bei Lipödem steckt, welche körperlichen und seelischen Ursachen infrage kommen und was Sie tun können, um Ihr Energielevel wieder zu steigern.
Das Lipödem ist eine chronische Fettverteilungsstörung, bei der sich krankhaft verändertes Fettgewebe symmetrisch vor allem an Beinen und Armen ansammelt. Es ist verbunden mit Schmerzen, Schweregefühl und Schwellungen. Diese dauerhafte körperliche Belastung kann den Körper buchstäblich erschöpfen: Jede Bewegung kostet mehr Energie, der Alltag fühlt sich an wie ein Dauer-Marathon.
Hinzu kommen entzündliche Prozesse im erkrankten Fettgewebe sowie ein oft gestörter Lymphabfluss, die die Mikrozirkulation beeinträchtigen und Zellen schlechter mit Sauerstoff versorgen. Auch das kann zu anhaltender Müdigkeit beim Lipödem beitragen. Viele Betroffene berichten daher über eine Form von chronischer Erschöpfung, die weit über „normal müde“ hinausgeht.
Das Erschöpfungsgefühl bei Lipödem geht über gewöhnliche Tagesmüdigkeit hinaus und kann das tägliche Leben erheblich einschränken. Doch woher kommt diese anhaltende Müdigkeit? Die Ursachen sind vielschichtig und häufig miteinander verwoben.
Ein Körper, der ständig gegen Schmerzen ankämpft, verbraucht viel Energie. Die permanente Anspannung, etwa durch Spannungsgefühle, Berührungsempfindlichkeit oder Druckschmerzen, kann die Muskeln und das Nervensystem überfordern. Die Folge: Lipödem-Müdigkeit.
Beim Lipödem kann es zu einem Lipo-Lymphödem kommen, also einer Kombination aus Fettverteilungsstörung und gestörter Lymphdrainage. Die Flüssigkeit staut sich im Gewebe, es entstehen Schwellungen. Auch dies belastet den Körper und kann das allgemeine Wohlbefinden stark beeinträchtigen.
Lipödem ist mit entzündlichen Reaktionen im Unterhautfettgewebe verbunden. Diese sogenannten „low grade inflammations“ sind nicht immer sichtbar, aber spürbar: Der Körper ist im Dauerstress und Müdigkeit ist ein typisches Symptom solcher Entzündungsreaktionen.
Das zusätzliche Gewebe an Beinen und Armen verändert die Körperhaltung, belastet Gelenke und Muskeln und macht jede Bewegung schwerer. Der Körper muss mehr Energie aufwenden, um Alltagstätigkeiten zu bewältigen.
Müdigkeit bei Lipödem ist nie nur körperlich. Viele Patientinnen kämpfen zusätzlich mit:
All das kann in eine Spirale führen: Schmerzen → weniger Bewegung → mehr Schweregefühl → schlechte Nächte → noch mehr Müdigkeit. Die Müdigkeit bei Lipödem ist damit auch ein Signal, einen genaueren Blick auf das Zusammenspiel von Lipödem und Psyche zu werfen.
Müdigkeit kann natürlich viele Ursachen haben und es steckt nicht immer ein Lipödem dahinter. Aber: es lohnt sich, aufmerksam zu werden, wenn Sie bei sich folgendes beobachten:
Wenn mehrere dieser Punkte zutreffen, lohnt sich der Blick hinter die Müdigkeit: Was steckt wirklich dahinter?
Es gibt keine einfache Pille gegen die Müdigkeit beim Lipödem, aber viele kleine Stellschrauben, die zusammen Großes bewirken können:
Die effektivste Maßnahme ist eine konsequente Behandlung der Grunderkrankung. Je besser Schmerzen kontrolliert sind, etwa durch Kompression, manuelle Lymphdrainage, Bewegungstherapie und eine operative Behandlung (Liposuktion), desto weniger Energie verbraucht der Körper im Dauerstressmodus.
Sport kann bei Lipödem eine Herausforderung sein. Doch moderate Bewegung wie Schwimmen, Walking oder Yoga fördert den Lymphfluss, reduziert Schmerzen und verbessert die Stimmung. Wichtig ist: Die Bewegung sollte Ihnen guttun und keine zusätzlichen Beschwerden verursachen.
Eine ausgewogene, möglichst entzündungsarme Ernährung mit viel Gemüse, hochwertigen Fetten und wenig Zucker unterstützt das Immunsystem und kann Entzündungsprozesse im Körper reduzieren. Die Ernährung bei Lipödem ist ein wichtiger Baustein gegen chronische Lipödem-Müdigkeit.
Feste Schlafenszeiten, Bildschirmpausen oder leichte Dehnübungen für die Beine vor dem Zubettgehen können helfen, besser in die Ruhe zu finden. Ein bewusst gestaltetes Abendritual kann so zum verlässlichen Anker werden.
Lipödem-Müdigkeit kann auch seelisch bedingt sein. Wenn Sie das Gefühl haben, „innerlich leerzulaufen“, kann eine psychologische Begleitung entlastend wirken. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen in einem Gruppengespräch bringt oft mehr Kraft, als man vermuten würde.
Eine gezielte Lipödem-Behandlung zielt darauf ab, Schmerzen zu senken, Schwellungen zu reduzieren und Beweglichkeit zurückzugeben. Wenn der Körper weniger stark gegen Schmerzen, Entzündungen und Schweregefühl ankämpfen muss, bleibt mehr Energie für das, was Ihnen wichtig ist: Familie, Beruf, Freizeit, Sie selbst.
In der LipoClinic Dr. Heck wird das Lipödem mit einem spezialisierten, gewebeschonenden OP-Konzept behandelt, ergänzt durch vorbereitende und begleitende Maßnahmen wie Kompression, Bewegungstherapie und Beratung. Viele Patientinnen berichten nach einer erfolgreichen Behandlung nicht nur von weniger Schmerzen, sondern auch davon, dass sie sich endlich wieder „wach“, leichter und belastbarer fühlen.
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Die ständigen Schmerzen, das Schweregefühl in den Beinen und der psychische Stress rund um die Erkrankung kosten viel Energie. Hinzu kommen mögliche Begleiterkrankungen wie Schilddrüsenunterfunktion oder depressive Verstimmungen, die das Erschöpfungsempfinden verstärken.
Ja. Auch wenn das Gefühl von Erschöpfung nicht einfach „weggeht“, gibt es Möglichkeiten zur Linderung. Bewegung, gesunde Ernährung, strukturierte Tagesabläufe und regelmäßige Ruhephasen helfen vielen Patientinnen, ihre Energie besser einzuteilen. Auch eine gezielte Lipödem-Therapie kann langfristig Erleichterung bringen.
Die Leitlinien nennen Müdigkeit nicht als klassisches Hauptsymptom, dennoch berichten viele Betroffene davon. Das macht deutlich: Lipödem wirkt sich nicht nur äußerlich aus, sondern beeinflusst auch das körperliche und seelische Wohlbefinden tiefgreifend.
Viele Patientinnen berichten nach der Lipödem-OP nicht nur über weniger Schmerzen, sondern auch über mehr Energie im Alltag. Die Lebensqualität kann sich durch den Eingriff deutlich verbessern.
Planen Sie bewusste Ruhepausen ein, ohne sich dafür zu rechtfertigen. Hören Sie auf Ihren Körper, lassen Sie Unterstützung zu und sprechen Sie mit Ihrem Umfeld offen über Ihre Energiegrenzen. Selbstfürsorge ist ein wichtiger Teil der Behandlung.
AWMF: Leitlinie Lipödem: S2k Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie e. V. (https://register.awmf.org/assets/guidelines/037-012l_S2k_Lipoedem_2024-01_01.pdf)
Uni Regensburg / Biomedicines: Lipedema: A Disease Triggered by M2 Polarized Macrophages? (https://epub.uni-regensburg.de/75243/1/biomedicines-13-00561.pdf)
Dr. Thomas Witte ist Ärztlicher Direktor der LipoClinic Dr. Heck und Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Mit jahrzehntelanger operativer Erfahrung und tiefem Verständnis für die individuellen Bedürfnisse von Lipödem-Patientinnen gehört er zu den führenden Experten auf diesem Gebiet. Sein Fokus liegt auf einer ganzheitlichen, sicheren und empathischen Versorgung – stets mit dem Ziel, ein Stück Lebensqualität zurückzugeben.
Ärztlicher Direktor
Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie
Facharzt für Chirurgie und Handchirurg